Wu Shu - Kung Fu - Tai Chi

Lesen Sie hier alles über Wushu, Kungfu, Taiji und den Shaolin-Mythos.


Was ist Wushu?

"Wushu" bedeutet übersetzt "Kampfkunst". Dieser Begriff fasst alle chinesischen Stilrichtungen zusammen, wie z.B. Tai Ji Quan, Xing Yi Quan, Ba Gua Quan, Chang Quan, Nan Quan usw. Wushu unterteilt sich in modernes Wushu und traditionelles Wushu, meist auch Kung Fu genannt. Modernes Wushu ist eine von der chinesischen Regierung standartisierte Form der Kampfkunst, die es erlaubt, das Können der einzelnen Sportler in Wettbewerben nach festgelegten Regeln in verschiedenen Disziplinen zu messen. Die Bewegungen sind schnell, kraftvoll und fordern schnelles flexibles Denken und Handeln. Es gibt verschiedene Disziplinen wie Formen (Taolu) und Freikampf (Sanda). Im Gegensatz zum Tai Chi wird hier die äußere Kraft trainiert und gestärkt. Modernes Wushu ist weniger zur Selbstverteidigung geeignet. Traditionelles Wushu dient ausschliesslich der Selbstverteidigung. Das Training ist anstrengend, aber es lohnt sich.

Warum Wushu?

Das Training im Wushu macht von der ersten Minute an sehr viel Spaß, weil man mit immer neuen Bewegungen konfrontiert wird, deren Ausführung sich als alles andere als leicht erweisen. Das bezieht sich teilweise auf die nötige Kraft und Flexibilität, aber sehr oft auch auf die Koordination. Das Gehirn wird hier aktiv trainiert, denn die Bewegungen sind zunächst sehr ungewohnt. Bringt man aber die nötige Geduld auf, wird man mit einem völlig neuen Körpergefühl belohnt, man bewegt sich lockerer, selbstbewußter, schneller und flexibler. Der Körper und die Muskeln werden gestärkt, Ausdauer und allgemeine Kondition werden verbessert und natürlich wird auch Fett abgebaut. Ideal ist eine Kombination von Wushu und Tai Chi, damit sowohl die äußere wie auch die innere Kraft trainiert werden.

Was ist Tai Chi?

Tai Chi (Taiji) ist im 17. Jahrhundert in China entstanden und hat sich seitdem in verschiedenen Stilrichtungen entwickelt. Die bekanntesten sind der Yang-Stil, der sich durch fast ausschließlich langsame Bewegungen auszeichnet und somit hervorragend auch für ältere Menschen und als Einstieg geeignet ist, und der Chen-Stil, der dynamische Bewegungen beinhaltet und sich für Fortgeschrittene eignet. Tai Chi besteht aus sanften und geschmeidigen Bewegungen des gesamten Körpers. Es sieht für den Betrachter sehr ästhetisch und leicht aus, verlangt aber vom Ausführenden ein hohes Maß an Konzentration und richtiger Atemtechnik. Tai Chi kann von allen Altersklassen erlernt und bis ins hohe Alter betrieben werden. Die Bewegungen sind bei richtiger Anwendung hervorragend zur Selbstverteidigung geeignet.

Warum Tai Chi?

Durch die weichen und langsamen Bewegungen und die gesunde Atmung fördert Tai Chi die Gesundheit und stärkt das Imunsystem. Es bringt, wie die Chinesen sagen, das Chi zum fließen. Das bedeutet nichts anderes, als die körpereigenen Selbstheilungskräfte zu stärken und zu aktivieren. Da die Bewegungen an sich komplex sind, wird auch die Gehirnaktivität enorm gesteigert und der Übende gleibt geistig fit. In China sieht man in den frühen Morgenstunden junge und alte Menschen in den Parks Tai Chi Übungen durchführen. Auch in der westlichen Welt wird Tai Chi mehr und mehr bekannt und als Gesunderhaltungs-System geschätzt. Ganz nebenbei machen die Übungen einfach Spaß, sind interessant, sehen schön aus und man fühlt sich danach locker, entspannt und erfrischt.

Was ist Kung Fu?

"Kung Fu", eigentlich "Gongfu", bedeutet übersetzt soviel wie "Harte Arbeit". Es bezeichnet den Zustand, den man nach sehr langem und hartem Training erreicht. "Kung Fu haben" bedeutet etwas mit solcher Perfektion zu vollbringen, dass es äußere Schönheit übersteigt.
Das hat eigentlich nichts mit Kampfkunst zu tun, sondern kann sich auf ein beliebiges Können beziehen. So kann z.B. ein Koch auch Kung Fu haben, nämlich im Kochen.
Geprägt wurde der Begriff in den 70er Jahren, als Bruce Lee mit seinen Filmen in den USA bekannt wurde. Gefragt, wie er diese Leistungen zustande bringe, antwortete er "Kung Fu" und meinte damit das jahrelange harte Training. Verstanden wurde das ganze aber als seine Kampfart.

Problematik

Heute meint man mit "Kung Fu" meist eine der traditionellen Stilrichtungen. Diese Stilrichtungen sind im modernen Wushu im Form von selbstdarstellenden Bewegungen der Formen (Taolu) enthalten und standartisiert. Das Problem bei vielen "Kungfu" Kursen ist, dass sich aufgrund der Vielzahl der existierenden Stilrichtungen jeder Trainer "Meister" nennen kann, was oftmals weder fundiert noch nachprüfbar ist. Vorsicht ist geboten, wenn Trainer von einem geheimen Stil oder ähnlichen Esoterisch angehauchten Mythen sprechen. In diesen Fällen ist oft keine fundierte Ausbildung vorhanden. Durch die Vielzahl an Schulen in China ist selbst ein chinesisches Zertifikat nicht aussagekräftig, da man sich dieses gegen Bezahlung fast überall in China kaufen kann. Besonders an Ausländer wird in China gegen entsprechende Bezahlung gerne ein beliebiges Zertifikat ausgestellt. Natürlich ist das Hauptkriterium, dass das Training Spaß machen soll. Probieren Sie einfach ob Ihnen das Training gefällt und Sie das Gefühl haben a) etwas gelernt zu haben, b) geistig und körperlich gleichermassen gefordert zu werden und c) sich in der Gruppe wohl fühlen.

Der Shaolin Mythos

Heutzutage hat sich der Shaolin-Mythos bereits weltweit verbreitet. Klar, dass dies auch kommerziell genutzt wird. Doch nicht jeder, der sich "Shaolin-Meister" nennt ist wirklich ein solcher. Tatsache ist, dass die echten Mönche aus Henan/China sehr zurückgezogen leben und sich nicht kommerzialisieren. Was wir hierzulande als die "echten" Shaolin-Mönche vorgesetzt bekommen, sind normale Wushu-Sportler, die für die kommerzielle Shaolin-Organisation arbeiten und sich dafür den Kopf rasieren sowie oftmals auch andere, die nicht einmal damit in Verbindung stehen sondern sich nur deshalb so nennen, weil es eben einträglich ist. Auch hier gilt was bereits oben erklärt wurde.

Ursprünge

Die Geschichte der chinesischen Kampfkunst ist sehr lang, komplex und geht zurück bis in die Shang-Dynastie. Für uns ist wichtig zu wissen, dass es etliche Stilrichtungen und abgewandelte Formen gibt. So sind z.B. auch japanische Kampfstile wie Karate oder koreanisches Tae-Kwon-Do aus den traditionellen chinesischen Kampfkünsten entstanden. In der Kulturrevolution in China wurde jedoch alles, was alt ist, verboten, was auch die Kampfkünste und viel chinesisches Kulturgut beinhaltete. Erst später hat die chinesische Regierung eingesehen, das die alten Kulturgüter für China sehr wichtig sind und Wushu zum Zwecke der Erhaltung und Förderung standartisiert. Auf diese Weise ist Wushu heute keine geheime Kunst mehr, sondern ein moderner Sport, der endlich jedermann zugänglich ist. Das ändert nichts daran, dass zur guten Beherrschung viel Schweiss nötig ist.

Filosofisches
Schreibt man das jetzt so? ;-)

Die moderne chinesische Anrede für einen Lehrer ist "Lao Shi" und bedeutet "Lehrer". Die alte chinesische Form war "Shi Fu" und bedeutet soviel wie "Lehrer-Vater", weil in der alten Zeit die Lehrer gleichzeitig wie Väter zu ihren Schülern waren, d.h. sich auch um die Ausbildung der gesamten Charakters der Schüler gekümmert haben und entsprechend streng waren. Die Anrede "Shi Fu", gesprochen etwa "Schr Fu" (kantonesische Schreibweise: Si Fu) kann vom Schüler verwendet werden, um Respekt auszudrücken. Keinesfalls jedoch darf sich ein Trainer/Lehrer/Meister selbst so nennen, da dies kein Titel ist. Leider hat sich das, insbesondere bei südlichen Stilen, hierzulande so eingebürgert.

Chinesische Weisheit: "Nichts ist weicher als Wasser, und doch bezwingt Wasser durch seine Weichheit auch den härtesten Stein." Damit soll verdeutlicht werden, dass man sein Ziel nicht durch Härte, sondern durch Geduld und Flexibilität erreicht. "Wenn man sich Mühe gibt, stellt sich der Erfolg von selbst ein". Auch ein chinesisches Sprichwort. "Di Shui Chuan Shi" - steter Tropfen höhlt den Stein - ebenfalls ein chinesisches Sprichwort. Oder, wie wir Hessen gerne sagen: Mit Geduld und Spucke fängt man eine Mucke. Das gilt sowohl für das Training als auch das gesamte Leben. Wer ein langfristiges Ziel erreichen möchte, sollte in beständigen Schritten vorgehen. Kurze energiezehrende Aktionen bringen nur kurzfristigen Erfolg. Beständiges Üben in Maßen hingegen bringt den gewünschten Erfolg. Beispiele: Ziel = Gewichtsabnahme. Falsch: Diät. Richtig: Täglich 10 Minuten Sport und Umstellung der Ernährung. Ziel = Eine Sprache lernen. Falsch: Einmal pro Woche 2 Stunden lernen. Richtig: Jeden Tag 15 Minuten lernen und üben.

Empfehlenswerte Filme: Viele der modernen und älteren Filme übertreiben die gezeigten Techniken masslos. Sehr wenige Filme zeigen echte, korrekt ausgeführte Wushu-Techniken. Zwei meiner Favoriten sind "Kung Fu - Die Tochter des Meisters", auch unter dem Namen "Die furchtlosen Männer vom WuDang" mit mäßiger Übersetzung, bekannt, sowie "Duell mit harten Fäusten".